Trotz steigender Beschäftigung wächst die Armut

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Bremen (mesh-web)   Nach Einschätzung von Arbeitnehmerorganisationen in Bremen und Niedersachsen wird die Kluft zwischen guten und schlechten Arbeitsbedingungen immer größer. Trotz steigender Beschäftigungszahlen gebe es in beiden Bundesländern mehr Armut, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, Ingo Schierenbeck am Dienstag auf einer Pressekonferenz. "Es fehlt also an guter Arbeit“ führte er weiter aus. 

Gemeinsam mit Vertretern des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) forderte er die Landesregierungen von Bremen und Niedersachsen auf, ihre Handlungsspielräume in enger Absprache miteinander zu nutzen und voneinander zu lernen. Das Ziel müssten sichere Arbeitsplätze und faire Löhne sein.
Unter den mehr als 414.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, die seit 2004 in beiden Ländern neu entstanden seien, wären überwiegend Teilzeitstellen und Minijobs. Auch die Zahl der Leiharbeiter und der Werkverträge steige ständig an, sagte Schierenbeck. Als weiteres Problem nannte er den Zuwachs bei den sogenannten mobilen Beschäftigten, Menschen, die nur für einen begrenzten Zeitraum in Deutschland arbeiten. Sie seien überdurchschnittlich oft von schlechten Arbeitsbedingungen und Lohnausbeutung betroffen.
Der Betriebsratsvorsitzende der Lloyd Werft in Bremerhaven, Daniel Müller berichtete aus der Praxis, dass mobile Beschäftigte etwa aus Osteuropa in der Regel kaum Sprach- und Rechtskenntnisse hätten und dementsprechend ausgenutzt würden. "Das scheint eine richtige Parallelwelt zu sein“, sagte er. Das Land Bremen müsse dringend Beratungsstellen für diese Arbeiter einrichten, wie es sie in Niedersachsen schon gebe. "Erst dann kann man das Ausmaß erkennen.“ Die Politik müsse zudem den gesetzlichen Rahmen schaffen, dass ein Betriebsrat für alle Arbeitnehmer eines Unternehmens zuständig sei.
Die Vorsitzende der DGB-Region Bremen-Elbe-Weser, Annette Düring, forderte die Politik auf, mit den Gewerkschaften stärker zusammenzuarbeiten. Die Regierungen von Bremen und Niedersachsen sollten sich eng abstimmen und ihre in den Koalitionsvereinbarungen aufgeschriebenen Vorhaben auch umsetzen.
 
Quelle: DGB/rnt/GSW