Nordkoreaner ersticht Obdachlosen in Frankfurt

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Frankfurt (regio-newsticker)    Seit Donnerstag muss sich ein 41-Jähriger vor dem Frankfurter Landgericht wegen der Tötung eines Obdachlosen verantworten. Der aus Nordkorea stammende Mann soll im September vergangenen Jahres auf einem Gartengrundstück in der Guerickestraße in Rödelheim einem 39-jährigen Obdachlosen mit solcher Wucht in die Brust gestochen haben, dass diesem eine Rippe brach, er Schädigungen an der Lunge und dem Herzen erlitt und noch vor Ort starb.

Der Prozess begann mit gut zweistündiger Verspätung, da einer der Schöffen der Schwurgerichtskammer nicht erschienen war. Da der Mann kein Telefon besitzt, musste er von der Polizei persönlich informiert und dem Gericht vorgeführt werden. Da zunächst nicht klar war, wie lange der Schöffe fehlen würde, wurde die Verhandlung mehrfach vertagt. Der Angeklagte bekam dann jeweils die Handschellen wieder abgenommen und angelegt.

Kan Hi R. war nach der Tat in Rödelheim zunächst geflohen. Zwei Tage später, kurz nach Mitternacht, informierte die Polizei aus Weil am Rhein die Frankfurter Behörde, das schweizerische Grenzwachkorps in Basel habe einen Mann festgenommen, der versucht habe, mit einem französischen Taxi in die Schweiz einzureisen. R. wurde nach Deutschland überstellt und kam in Untersuchungshaft.

In seiner Vernehmung schilderte der Nordkoreaner die Situation als Notwehr. Er habe sich das Gartengrundstück in Rödelheim gemeinsam mit zwei Litauern als Lager geteilt. Dabei sei es immer wieder mal zu Streitigkeiten gekommen. Am Tattag habe er sich gewehrt, als einer der beiden Litauer mit der Schaufel auf ihn losgegangen sei. Der Landsmann des getöteten Litauers wiederum hatte ausgesagt, sie seien beide nach einer Zechtour auf das Grundstück gekommen und der Koreaner habe unvermittelt mit einem Küchenmesser auf sie eingestochen.

Den Ermittlern schien die Notwehrsituation aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Da eine Bekannte des 41-Jährigen ausserdem angab, er könne bei ihr wohnen, wurde er Ende November aus der U-Haft entlassen. Seine wiedergewonnene Freiheit nutzte R. aber rund sechs Wochen später, wiederum in der Guerickestraße, um nun auch auf den anderen Litauer loszugehen. Diesmal aber nicht mit dem Messer sondern mit seinen Fäusten. Zudem soll er laut Anklage eine Geste mit dem Zeigefinger am Hals gemacht haben, die besagt, er wolle den Mann umbringen. Daher wurde er am 8. Januar erneut verhaftet.

Wegen der Verspätung des Schöffen wurde am ersten Verhandlungstag nur die Anklageschrift verlesen. Der gab nur an, die Anklage stimme in dieser Form nicht. Am 6. August soll er nun ausführlich zu den Tatvorwürfen aussagen.


 

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