Karlsruhe: Matratzenlager für Flüchtlinge in Messehalle

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Karlsruhe/Stuttgart (rnt)  Die Behörden von Baden-Württemberg haben jetzt wegen fehlender Unterkünfte für Flüchtlinge ein Notquartier für Asylbewerber in einer Karlsruher Messehalle eingerichtet. Bis zum Sonntag konnten dort rund 400 Flüchtlinge untergebracht werden, wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe mitteilte. 

Die Halle, die normalerweise als Veranstaltungsarena genutzt wird, wurde mit Matratzen, Bierzelt-Garnituren und Absperrgittern "möbliert". Für eine Woche sollte dort jetzt Platz für insgesamt 500 Flüchtlinge sein. Im ganzen Land geht die fieberhafte Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten weiter.
Baden-Württemberg verhandelt mit der Stadt Herrenberg und prüft, ob dort das Schulungsgebäude des IT-Unternehmens IBM genutzt werden kann. Das berichtete ein Sprecher des Integrationsministeriums am Samstag. Auch das Kloster in Weingarten bei Ravensburg sollte eventuell zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert werden. Der Landkreis Böblingen forderte das Land auf, bei der Einrichtung einer Erstaufnahmestelle in Herrenberg genügend Fachpersonal für eine soziale Begleitung der Flüchtlinge vorzuhalten.
Die Karlsruher Messehalle soll zumindest für eine Woche eine gewisse Entlastung schaffen. Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen seien immer öfter "Hauruck-Verfahren“ nötig, um Asylbewerber unterzubringen, sagte der Sprecher des Regierungspräsidiums. Die Messegesellschaft hatte die Matratzen und Tische für die Flüchtlinge organisiert. Wie es nach der einwöchigen Unterbringung in der Messe weitergeht, ist weiterhin unklar. Die Landesregierung hatte auf der Suche nach neuen Gebäuden in ganz Baden-Württemberg angefragt, ob Messehallen zur Verfügung stehen.
Über die Probleme der Kommunen mit der steigenden Flüchtlingszahl wollen Bund und Länder am 9. September in Berlin beraten. Ein Streitpunkt ist unter anderem die Ausweitung der sicheren Herkunftsländer auf die Staaten des Westbalkans. Bislang haben nur Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien diesen Status im Asylrecht. Die Regelung soll eine Ablehnung im Asylverfahren mit anschließender Abschiebung beschleunigen.
Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) zeigte sich offen für den Vorstoß, dass auch Privatleute zu Hause Flüchtlinge aufnehmen könnten. Es werde zunächst geprüft, ob dies etwa mit Blick auf Versicherungsfragen möglich sei, sagte ihr Sprecher. Öney besuchte am Samstag die Flüchtlingseinrichtung auf dem ehemaligen Armeegelände Benjamin-Franklin-Village in Mannheim. "Wir sind offen für alles, was Entlastung und Entspannung bringt“, erklärte ihr Sprecher.
Der Grünen-Politiker Dieter Janecek hatte eine staatliche Prämie für Privatleute angeregt, die bereit sind, bei sich zu Hause Flüchtlinge beherbergen.
 
Quelle: rnt/uwe