Kölner Landgericht: Gynäkologe missbrauchte Patientinnen

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Köln (regio-newsticker)    Ein Gynäkologe aus Odenthal wurde vom Kölner Landgericht zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt, weil der 63-Jährige Patientinnen sexuell missbraucht hat. Davon ist zumindest die Strafkammer überzeugt. Der Arzt streitet alle Vorwürfe ab.


Der Vorsitzende Richter der 3. Großen Strafkammer stellte gleich zu Beginn der Urteilsverkündung klar: "Sie sind nicht Opfer, sondern Täter." An 20 Verhandlungstagen wurden fast 50 Zeugen gehört. Für die Kammer steht nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme fest: Der Gynäkologe hat 2013 drei Frauen in seiner Praxis in Odenthal sexuell missbraucht. Er soll dafür zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte nur eine Bewährungsstrafe von 20 Monaten gefordert.
Das Gericht ist der Auffassung, der 63-Jährige habe seine Position als Arzt ausgenutzt, das Vertrauen seiner Patientinnen missbraucht. Die Kammer ist davon überzeugt, dass er die Frauen befingert hat, beispielsweise unter dem Vorwand, er müsse Cremes auftragen, etwa gegen Pilzinfektionen. In einem Fall könnte es eventuell zu einer Vergewaltigung gekommen sein, das Opfer konnte das aber nicht hinreichend beschreiben. Er machte den Frauen während der Untersuchung Komplimente, bot sogar Intimrasuren an. Einer Patientin, die schon viele Jahre zu ihm kam, bot er nach der Behandlung Sekt an, weil sie völlig verstört war. "Schreien Sie mich ruhig an", sagte er zu ihr. "Und vergessen Sie das einfach."

Während der Ermittlungen bezeichnete er die Frau als "psychisch kranke Lügnerin". Als weitere Frauen Anzeige erstatteten, erklärte er, es gebe offenbar eine Verschwörung im Ort gegen ihn. Der Vorsitzende stellt klar, dass die Opfer kein Motiv hatten, zu lügen. "Sie leiden noch heute unter den Taten."

Ein gynäkologischer Gutachter hatte im Prozess gesagt, dass es keine Indikation gebe, bei der man als Frauenarzt eine Creme "einmassieren" müsse. Diese Behandlungsmethoden seien medizinisch nicht dokumentiert. Der Angeklagte hatte einer Patientin auch großzügig angeboten, einen Orgasmus bei ihr auszulösen.

Während die Details des sexuellen Missbrauchs am letzten Verhandlungstag noch einmal zur Sprache kommen, sitzt der Angeklagte zwischen seinen Verteidigern und schreibt geschäftig mit. 14 weitere mutmaßliche Opfer des Gynäkologen hatten sich während des Prozesses gemeldet. Die Verteidiger hatten die Frauen als "Schwemme von Trittbrettfahrerinnen" bezeichnet. Das bezeichnet der Richter als "schlicht unangebracht".

Der Arzt hatte in seinem letzten Wort vor Gericht durchblicken lassen, dass er wieder praktizieren will. Seine Zulassung ruht seit vier Jahren, die Praxis hat er verkauft. Als einziges Zugeständnis sagte er, er "werde seine Methoden überdenken". Die Kammer verhängt am letzten Prozesstag ein dreijähriges Berufsverbot. "Die Gefahr besteht, dass er es wieder tut", sagt der Vorsitzende.

Die Verteidigerin des Arztes kündigte bereits an, Revision einzulegen. Sie hatte einen Freispruch verlangt.